Brief an Mr. Grey

Lieber Mr. Grey,

ich hoffe, die akribische Pflege Ihrer Orchideen läuft weiterhin ausgezeichnet. Ich schreibe Ihnen aus reiner Verwirrung und wünsche diese nun gerne aufzuklären: Sie sind doch Mr. Grey, der auf Grund seines sadomasochistischen Verhaltens mittel- bis schwerwiegende zwischenmenschliche Beziehungsstörungen hat, die netterweise 2002 in dem Independent Film Secretary von dem wunderbar schrägen James Spader verkörpert wurden? Mr. E. Edward Grey? Ich muss Ihnen nämlich gestehen, dass da eventuell seit einiger Zeit ein Doppelgänger unterwegs ist. Ich weiß ja nicht, ob etwaige familiäre Beziehungen zu einem gewissen millionenschweren Unternehmensboss namens Christian Grey bestehen – Nachname und sexuelle Präferenzen sprächen ja durchaus dafür – aber ich würde Ihnen mit diesem Brief gerne drei überaus ausschlaggebende Gründe nennen, weshalb sie (auch nach der Kinopremiere von Fifty Shades of Grey) immer noch die Nummer Eins auf meiner Liste für fiktive Arbeitgeber mit sexuellen Devianzen sind:

No 1) Sie machen Sit-ups und wir können sie sogar sehen!
Nicht, dass ich was gegen den Six Pack von Jamie Dornan sagen würde – Grundgütiger! Niemals! – denn nach dessen kleiner Geschichte über seinen funny walk in der Graham Norton Show, habe ich dem Herren absoluten Knuffigkeitsfaktor zugesprochen. Aber, ich finde ja, auf den unendlich vielen Seiten in den drei 50 Shades-Büchern hatte dieser Christian wirklich genug Zeit mal ein paar Crunches oder Klimmzüge vorzuführen – so wie Sie eben. Schon allein wegen des Aggressionsabbaus, Sie wissen schon.

No 2) Danke für den Humor!
Erotik wird vielerorts dazu verurteilt ohne Lacher auskommen zu müssen. Sex und Humor? Ja, wo kämen wir denn dahin? Auch die Auslebung unorthodoxer sexueller Vorlieben werden dazu verdonnert humorlos durch die SecretaryUnterhaltungsindustrie zu wandeln. Nicht in Ihrem Streifen Secretary, Mr Grey! Die Erotik-Spaß-Kombo ist scheinbar nur bei Indi-Produktionen erlaubt. Man stelle sich nur mal Ana vor, die auf Heu gebettet von Christian Grey einen Pferdesattel aufgeschnallt und eine Karotte ins Mäulchen geschoben bekommt. Nein, das geht wirklich nur bei Ihnen, Mr. Grey.

No 3) Wer hat hier unterdrückte Bedürfnisse?
Sie allemal! Sie ertrinken förmlich im Selbsthass, verstecken sich im Wandschrank, sobald Ihre Ex vorbeikommt, und geben Ihrer Sekretärin eine Abreibung – bloß weil sie es wagt zu schniefen. Niemand zweifelt daran, dass Christian Grey tiefsitzende Probleme hat, aber Ihre inneren Gefechte, Mr. Grey, sind noch wenigstens welche, unter denen Sie authentisch leiden – und denen sie sich stellen.

Also, atmen Sie auf, wenn Sie demnächst einen Fifty Shades of Grey-Werbebanner erspähen. Der erste Platz der o.g. Liste ist Ihnen – allen Christian Greys dieser Welt hin oder her – totsicher.

Ihr Fan aus dem Elfenbeinturm

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3 Gedanken zu “Brief an Mr. Grey

  1. Ah, so ein wunderbarer Film! Und die meisten Fünfzigschattierungen-Fans haben bestimmt keine Ahnung von seiner Existenz. Das muss sich ändern! Hm, vielleicht wäre er aber auch zu SKANDALÖS und VERSTÖREND für sie …

    • Ich denke auch, dass dies meisten den Film wohl eher nicht kennen 😀 Dabei finde ich wirklich, dass er eine grandiose Auseinandersetzung mit diesem Thema ist. Und verstörend wäre er für die meisten 50shades-Fans sicher 😀 Ich denke, wenn man SM authentisch in einem Charakter darstellt, kommt man meist im Film/Buch an einen Punkt, wo man den Zuschauer für kurze Zeit abstößt bzw. befremdet.

      Bei 50shades hatte ich immer nur das Gefühl, dass man von mir als Leser verlangt, mehr Lust zu verspüren …und am besten noch in den nächsten Sex-Shop gehen soll. Die eigentliche Problematik des Themas ging dann aber irgendwie flöten.

  2. Pingback: Nadelbernds Februar | nadelbernds*nähkästchen

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