Brief an …Ralph Fiennes

Lieber Ralph,

es reicht. Wirklich, es reicht jetzt. Es kann doch nicht sein, dass eine erwachsene Frau in der Blüte ihrer Jahre in Angst vor einem Mann lebt, den sie nicht einmal kennt. Ich will dir keinesfalls vorwerfen, dass du schlechte Arbeit leistest. Ganz im Gegenteil. Meine Angst ist deinem Talent zu verdanken. Ich frage mich sogar langsam, ob die Academy bei der Oscar-Verleihung 1994 unter dem Einfluss von entscheidungsbeeinflussenden Substanzen stand. (Nichts gegen Gewinner Tommy Lee Jones.) Während die jüngere Generation vor dem nasenlosen Zauberlord, dessen Namen nicht genannt werden darf, schlottert, muss ich mich noch heute wimmernd davon überzeugen, dass SS-Hauptsturmführer Amon Goeth nur eine (deiner besten) Rolle(n) war und du zweifellos ein ausgesprochen menschenachtender Mitbürger bist.

Es ist ja eigentlich urkomisch. Das war nämlich so, als mir alles klar wurde.
Damals im Studium, während einer Exkursion mit der Uni in Stratford-upon-Avon. Flatternde ausgefranste Shakespeare-Fanen, Bier süffelnde Schauspieler im The Dirty Duck und die eindrucksvolle Stimme von Captain Picard, Verzeihung, Patrick Stewart, die uns durch das Shakespeare Museum lotste. Herrlicher Ausflug! Wenn da nicht …‘Excuse me, do you have postcards‘, fragte ich die Verkäuferin. Aber ‚Of course!‘ hatte sie welche. Trillionen. Mit Judi und Ian und Patrick und Kenneth und Emma und all den anderen Shakespeare-Abgesandten. Und dann du! ‚Something wrong?‘, hatte die Verkäuferin gemurmelt, als ich plötzlich ein abgehaktes Schreckquietschen ausstieß. Nöö-Nöö, nix wrong, alles alright. Bloß eine junge akademische Irre, die beim Anblick eines blutjungen, außerordentlich perfekten Romeos kreischend erschrickt. Zum Schlottern gebracht von deinem 20jährigen Abbild auf einer Postkarte irgendwo in der Ralph Fiennes als RomeoPampa von Warwickshire. Jawohl, da wusste ich, dass es aussichtlos war, Ralph, und dass, stünde ich dir jemals gegenüber, ich die Arme hochreißen und wie vom wilden Affen gebissen, fortlaufen würde. Denn, du hast es drauf, mein Lieber, und bis dato gelingt es mir einfach nicht, einen so grandiosen Überschurken mit deinem Attraktivitätspotential auszumachen. Also, versteh mich nicht falsch. Mit deinen Rollen als obsessiver Romantiker steht der Faktor I’m too Sexy for… außer Frage. Hättest du zwanzig Jahre weniger auf dem Buckel, stünde Hollywood längst auf der Matte und wedelte mit dem Fifity Shades of Grey-Skript vor deiner Nase herum. (Was du selbstverständlich kommentarlos mit einem höhnischen Lachen und einem Türenknall ablehnen würdest. Richtig?) Aber gerade wegen deiner distanzierten Anziehungskraft und deinem – guckt man sich deinen Bruder an – scheinbar genetisch bedingten, irren Eisblick habe ich Respekt vor dir. Oder einfach nur Schiss. Das ist schwer zu sagen.

Zum Schluss muss ich noch eines loswerden.  Wenn wir schon von angsteinflößenden Filmrollen anfangen: Alle fünf bis sechs Monate wache ich Schweiß gebadet auf und denke mit Grauen an ein ganz bestimmtes cineastisches Sahnehäubchen. Du weißt, wovon ich spreche. Wie konntest du nur? Wirklich? Wie? Maid in Manhattan? Wenn es dir etwas bedeutet: Jennifer Lopez ist als Mime weitaus gruseliger als du es bist.

Nun ja, aber eigentlich – ganz platt gesprochen – ist es eh egal, was du so spielst. Jetzt und für alle Zeit: Meine vollkommene und uneingeschränkte Aufmerksamkeit und EhrFurcht ist dir sicher.

Signatur

P.S.: Find’s exquisit, dass du jetzt bei James Bond mitmischst. Besteht die Möglichkeit, dass du und Daniel mal Rollen tauscht?

Watchlist: Ralph Fiennes

  • Der Englische Patient Obwohl man in den entscheidenden Szenen bloß deinen Oberkörper im Film sehen kann, wolltest du, dass man die Maske mit verbrannter Haut von Kopf bis Fuß anbrachte. Thumps up!
  • Schindler’s Liste  Ohne Worte!
  • Wuthering Heights Nicht die beste Adaption, aber der wohl zermübteste Heathcliff.
  • Harry Potter und der Feuerkelch Rund 15 Minuten Leinwandpräsenz und man nimmt Daniel Ratcliffe beim Wort: „Die Angst musste ich nicht spielen.“
  • The End of the Affair Ralph madly in love. Any questions?
  • Brügge sehen und sterben Ach, du bist so cool!
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6 Gedanken zu “Brief an …Ralph Fiennes

  1. Wir teilen wohl eine Liebe! Er ist so unglaublich kurios, etwas kommt mir manchmal der Schauer, wenn ich ihn in gewissen Filmen sehe, in anderen gibt er einem das zufriedenstellende Lächeln „Ach, du schon wieder. Lange nicht gesehen“:D

    • Er ist als Bösewicht aber auch wirklich absolut überzeugend und gruselig. Vielleicht weil viele seiner „bösen“ rollen oft ambivalent sind. Ich hatte bei den meisten filmen mindestens eine Szene, wo ich dachte „ah vielleicht bist du doch nicht so böse wie du tust“. Ich nenne es mal das Heathcliff-Syndrom XD

  2. Wo ist „Der ewige Gärtner“ in Deiner Liste????? Einer meiner Top-Lieblingsfilme mit Ralph. Hast Du ihn gesehen? Ich hab ihn 2x im Kino und (bisher) ca. 3-4x auf DVD gesehen. Er wird nie langweilig.

    • Ich hab mich bei sechs Filmen einfach mal gestoppt 😀 Da waren noch soooooo viele gute Performances. „Der ewige Gärtner“ war ein toller Film. Habe ihn mir vor ein paar Jahren mal in in Ruhe alleine angeschaut. Bin auch großer Rachel Weisz-Fan 🙂 Ich glaube, das Buch habe ich damals auch gelesen. Aber das fühlt sich schon ziemlich lange her an. Bestimmt Anfang 2000er

      • Gut, sonst hättest Du eine große Filmlücke. Ich mag Rachel auch sehr, besonders in diesem Film. Meiner zweiter Lieblingsfilm mit ihr ist „Constantine“.

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