Buch vs. Film: The Hunger Games

Alle lieben Jahre entscheiden sich die Filmemacher unserer Zeit, den Erfolg einer entweder verstaubten oder brandneuen Fantasy- oder Utopie-Buchreihe auch im Kino zu vermarkten. 2008 erschien der erste Band von Suzanne Collins Triologie The Hunger Games und bereits 2012 verlieh Hollywood den Buchcharakteren Gesichter.

V wie Vendetta, Planet der Affen,Orwells 1984. Literarische Dystopien spalten nicht selten die Lesegeister, zeichnen sie sich doch meist durch ihr Kritik an der diktatorischen Obrigkeit und das eher beklommene, negative Finale aus. Auch die Geschichte vom Leben und Leiden der Katniss Everdeen, die für ihre Schwester in eine Fernsehshow namens Hunger Games zieht, wo sich 24 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren regelrecht abschlachten und mit psychologischer Taktik zugrunde richten, entspricht dsytopischen Kriterien. Klingt nicht besonders möglich, denkt man zunächst, klappt Collins Buch zu, malträtiert seine Fernbedienung und entschließt sich nach Sendungen, in denen Großmütter an Familien versteigert werden, Heidis Mädchen für ein Foto auch ohne doppelten Boden grazil Brücken hinunterspringen würden, Johnny Knoxville seine Harnröhre aus Showmanie Katheterabhängig quetscht oder Bohlen nach Jahren beleidigender, unqualifizierter Semi-Kommentare nun auch Kinder in die TV-Pfanne des Selbstbewusstseins hauen will, dass die Hunger Games so abwegig gar nicht mehr sind.

Angelehnt an die mythologischen Erzählungen über Theseus und den Minotaurus, erschuf die amerikanische Autorin Suzanne Collins eine Triologie, die in Buchhandlungen getrost bei den Jugendbüchern eingestellt wurde, auf der Leinwand durch ihre FSK 12 jedoch zahlreiche Diskussionen vom Zaun brach. Zu Recht, wie scheint, denn man kommt nicht drum herum den Gedanken zu zücken, dass der Kommerz in diesem ‚Spiel‘ ein nicht ganz unwichtiger Begriff ist. Auch wenn die höheren Jahrgänge der Damen und Herren Fangemeinschaft utopischer Literatur hin und wieder einen Ravenclaw-Schal stricken oder nun Mockingjay-Anstecker an ihre Jacken pinnen, Umsatz via Bravo, parteiischen T-Shirts  und Co. kauft statistisch doch eher das pre-pupertierende Volk.

Buch vs. Film The Hunger Games:  Nicht immer bedeutet, den Buchautor zum Drehbuchautor zu ernennen, auch ein buchnahes Filmskript. Suzanne Collins ans Set zu holen, stellte sich jedoch nicht allein auf Grund ihrer TV-Erfahrung bei Nickelodeon als goldrichtige Entscheidung heraus, zumal ihr Buch bereits in vielerlei Hinsicht szenische Vorlagen liefert. Die ungewöhnliche Umsetzung durch übermäßige Kamerawackler und schlichte Unübersichtlichkeit bei Kampfszenen bietet für viele Zuschauer Grund zum genervten Stöhnen, kitzelt aber passgenau Katniss‘ subjektive Sicht und Unvorhersehbarkeit der Dinge heraus. Im Hinblick auf die Literaturverfilmungen der letzten populären Jugendbuchreihen ist wohl mit Verlaub zu sagen, dass man dem Herrn im Stillen für deutlich besseres schauspielerisches Können, als es zu Beginn der Harry Potter-Saga der Fall war, oder einfach nur für die Wahl der aussageträchtigeren Buchvorlage, als wir es von pseudo-bissigen Glitzer-Vampirromanen gewohnt waren, dankt.

Hervorstechend gut ist die Besetzung der Nebencharaktere, wie Haudegen Woody Harrelson, dem göttlichen Stanley Tucci und Donald Sutherland als obligatorischen Mann mit weißer Haarpracht; seit Tolkien unmöglich wegzudenken aus einem fantastischen Werk. Trotz abgeschwächter Härte der Hunger Games, weniger Liebelei und der Notwendigkeit Nebenstränge zu schmälern, bekommen Bibliomanen mit der cineastischen Darstellung des Buches nur wenig Nörgelpotential geboten.

Sieger: Der bleibt dies Mal tatsächlich auf der Strecke, denn Buch und Film bleiben zumindest was Band 1 betrifft einander treu. Man darf auf die filmischen Fortsetzungen gespannt sein.

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Text: Eni Elisa Hausmann

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