Buch vs. Film: Zwei an einem Tag

Liebesromane gibt es auf dem modernen Buchmarkt wie Sterne am Firmament eines amerikanischen Spielfilms. 2009 war David Nicholls Zwei an einem Tag einer dieser hellen Sterne am romantischen Literaturhimmel. Nicht einmal zwei Jahre später wurde die ungewöhnliche Liebesgeschichte über Em und Dex verfilmt.

One Day, ein Tag, lautet der Originaltitel und der ist in Nicholls Roman der St. Swithin’s Day, der 15. Juli. Zwanzig Jahre im Leben von Macho Dexter Mayhew und Wortjongleurin Emma Morley werden im literarischen Katzensprung durchforstet. Freundschaft, Liebe, Familie, Abhängigkeit, Entfremdung, Vertrautheit, Reisen und das Streben nach Träumen erleben die beiden von Grund auf unterschiedlichen Charaktere.

Aha, eine weitere kleine Liebesgeschichte, denkt man beim Durchlesen des Klappentexts zunächst. Doch die konzeptionelle Innovation, welche den Verlauf der Geschichte stets an den 15. Juli jeden Jahres bindet, gibt den beiden Protagonisten eine besondere Tiefe und stellt ihre steten Differenzen immer wieder aufs Neue heraus. Aspekte, die bei der Verfilmung von 2011 leider nicht so durchgängig umgesetzt wurden. Dass das Buch nie ein klassischer Liebesroman war, sondern vor allem durch Emma Morleys zynischen Humor intellektuell und komplex bleibt, erschließt sich den Filmfreunden ebenfalls, wenn auch nicht so herausragend wie im Buch. Einige Sequenzen erscheinen im Film auffallend romantisiert. Neben der zum Ende hin ausbleichenden Verschiedenheit der Charaktere und deren grundlegender Ziellosigkeit, die nach und nach verlorengeht, wird da ein Kuss von der schlichten Zimmerkulisse in der Vorlage an ein verkitschtes Flussufer in der Pariser Innenstadt verlagert.

Newcomer Jim Sturgess sowie Anne Hathaway, die sich in den letzten Jahren erfolgreich durch emotional krassere Charakterrollen von ihrem „Plötzlich Prinzessin“-Diadem befreien konnte, sind als Dexter und Emma beide Sympathieträger und lassen den Film nie gänzlich in einen klischeehaften Schnulzenstreifen abdriften. Durch die einzelnen Episoden geprägt ist vor allem der zeitliche Wandel von Mode und Lifestyle gelungen. Nur zwei Konstanten gibt es, die stets umeinander kreisen, wenn auch nicht immer auf gleicher Wellenlänge: Em und Dex, die zueinander gehören, ohne zu wissen, weshalb.

Buch vs. Film Zwei an einem Tag: Buchtreues Drehbruchskript, in dem die episodenhafte Darstellung aus der Vorlage leider ein bisschen sprunghaft wirkt und alles – von Charaktertiefe über Emmas geistreichen Humor bis zur kitschlosen Romantik – irgendwie ein wenig auf die Zuschauererwartungen zugeschnitten erscheint.

Der Sieger: Definitiv Buch. Auch wenn sich die Emma-Dexter-Liebe im (Heim)Kino gelegentlich als würdig erweist.

Bücher versus Filme. Hier alle Beiträge.

Advertisements

2 Gedanken zu “Buch vs. Film: Zwei an einem Tag

  1. Pingback: Auf einen Blick « Literaturkino

  2. Pingback: Auf einen Blick: Bücher gegen Filme | Plan Elfenbeinturm

Kommentare? Gedanken? Ideen?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s